In eigener Sache:

Als Bestatterin blind, geht das?

Eines vorweg – ja, das geht!

Nach einem Verkehrsunfall vor ca. 20 Jahren hat sich mein Gesichtsfeld bis auf einen kleinen Bereich verkleinert. Nur meine Familie und ein enger Kreis von Freunden und Kollegen (schließlich brauchte ich Verbündete) wussten von meiner Blindheit. Auch wenn ich damals noch etwas mehr sehen konnte als heute, ohne Disziplin, Ausreden, Improvisation und die Hilfe von "Eingeweihten" hätte ich den Alltag nicht bewältigt.

 

Aber warum gehe ich erst jetzt (2014) so offen damit um? Nun, ich kann nur sagen, dass ich bei dem Versuch damit, leider immer wieder gegen Grenzen gestoßen bin. Ich bin sicher, dass die Realisierung meiner beruflichen Selbständigkeit in meinem Traumberuf bei entsprechender Offenheit nicht möglich gewesen wäre. Inzwischen bin ich in meinem Beruf, meinem Netzwerk und meiner Persönlichkeit entsprechend gefestigt und kann damit sowohl im Alltag als auch im Dialog mit meinen Kunden umgehen.

 

Also kann ich die Frage, ob ich damit als Bestatterin arbeiten kann, eindeutig mit „Ja“ beantworten. Das geht sogar sehr gut. Denn Gefühle und Stimmungen von Angehörigen nehme ich intensiver als sehende Kollegen war. Ich werde nicht von eventuellen Äußerlichkeiten abgelenkt. Die Einschränkungen und die Fähigkeiten, die ich durch mein Handicap entwickelt habe, gleichen sich aus. Ja, ich denke, ich mache einen guten Job und kann meinen Beruf mit Freude und Kompetenz ausführen.